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Wanderung zum Hirschkopf bei Vomp/Schwaz

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hier nun der versprochene Bericht zur Wanderung am Sonntag auf den Hirschkopf (1966m).

Um 8.00 holte mich mein Studienkollege Wolfgang Gurgiser am Schwazer Bahnhof (27km östlich von Innsbruck) ab und wir fuhren bis zum Startpunkt unserer Wanderung , dem Gasthof Karwendelrast auf ca. 880m. Bereits jetzt knallte die Sonne erbarmungslos in das Inntal und die Luft erwärmte sich in Innsbruck auf 18,2°C um 8 Uhr MESZ. Zwar hatten wir überlegt, die Wanderung wegen der zu erwartenden Hitze zu verschieben, andererseits konnte man es bei den tropischen Temperaturen im Tal erst recht nicht aushalten und an Lernen war da auch nicht zu denken.

Unsere Wanderroute sollte wie folgt aussehen :

Von der Karwendelrast (880m) auf dem Fahrweg zur Asten-Alm (1090m), dann in mäßig steilen Serpentinen zur Waldhorbalm (1600m) und schließlich zum Gipfel auf den Hirschkopf (1966m).Rückweg dann noch ein Stück entlang des Grates bis auf ca. 2100m, dann über einen Steilhang und Latschenkiefernfeld nach unten (blau), bis auf dem Weg, der Richtung Jagdhütte geht (lila) und zurück (lila,rot).
Die Gesamtwanderzeit betrug 8h , dabei wurden 2440 Höhenmeter überwunden, mit einzelnen Auf- und Abstiegen nach dem Grat dürften es rund 2500m gewesen sein.
Die Gesamtwegstrecke betrug ca. 8km, beim Aufstieg überwanden wir durchschnittlich 590m /h .

Soweit fürs Erste - zu den Latschenfeldern sag ich dann gesondert noch was.

Nun zu den Bildern.

Bereits recht früh merkten wir, dass es sich bei so einem heißen Wettertag lohnen täte, früher aufzustehen, da die Sonne bald hereinbrannte.
Während die ersten Höhenmeter im tiefsten Wald noch auszuhalten waren, wurde es an freien Stellen des Hangs schier unerträglich.

Dafür bot sich bald ein herrlicher Ausblick auf das Inntal - und die Fernsicht war bis dato noch ausgezeichnet:

Gegenüber das Kellerjoch (2344m), im Inntal links Schwaz (545m), rechts hinten der Gilfert (2506m - 12km Luftlinie)

Um zehn nach Zehn erreichten wir die (nicht bewirtschaftete) Waldhorbalm, wo wir eine Rast einlegten und die Aussicht genossen.

Hier waren die Wiesen saftig grün, alles blühte und überhaupt boten die Nadelhölzer , die Wiesen und die Berge eine alpenromantische Idylle.

Richtung Osten

Richtung Süden

Was sich uns dann unterhalb des Gipfels bot (ca. 1800m), war einfach unbeschreiblich:

Unten schlängelt sich der Inn bis zur Mündung durch das sich zunehmend ausweitende Inntal, eine leichte Inversion (feuchter Dunst) lag auf etwa 1200 bis 1500m, darüber quollen ganz am Horizont erste Cumuli empor. Nach dem ersten Bergrücken rechts geht es ins Zillertal, im Hintergrund sieht man den Wilden Kaiser mit Ellmauer Halt (2344m) sowie den Zahmen Kaiser (1997m) dahinter links
in je 53-55km Entfernung (nahe Kufstein).

Das war aber noch nicht alles - stark herausgezoomt (3fach optisch, ca. 2 fach digital, mehr packt meine Kamera nicht), ließen sich noch weiter entfernte Gebirge erkennen:

(zum Vergrößern bitte Bild anklicken)

Zunächst links Wilder und Zahmer Kaiser , dann in dem kontrastverstärkten Bereich links vermutlich die Leoganger Steinberge (2634m) in 82km Entfernung und ganz rechts mit der markanten Spitze der Hochkönig (2941m) in 106km Entfernung (Berchtesgadner Land).

Mit den Bezeichnungen bin ich mir nicht ganz sicher, aber bei Blickrichtung Ost bis Ostsüdost könnte das hinkommen. Die Hohen Tauern liegen schon zu weit südöstlich und wären eher beim Blick über das Kellerjoch zu sehen gewesen.

Unterhalb des Hirschkopfs lichtete Wolfgang dann eine Schneewächte und die darüber thronende Fiechter Spitze (2299m) ab.

Ebenfalls unterhalb des Hirschkopfs ein Blick über das Kellerjoch hinweg zu den Kitzbühler bzw. Gerloser Alpen links des Jochs und zur Hohen Warte (3097m) im Zillergrund in 43km Entfernung (zumindest erscheint mir dieser Berg der Plausiblste nach Abmessung mit dem Kartenwerk)

Noch einmal das Inntal und die Kaisergebirge - trotz zunehmender Quellbewölkung (überwiegend Hangthermik) und feuchten Dunst reichte die Fernsicht weiterhin bis etwa 80km. Mit Feldstecher hätte man nochmal 40-50km draufpacken können.

Dann - um 11.30 geschafft, der Gipfel. Und Blick zur Fiechter Spitze.

Nach Westsüdwesten in Richtung Innsbruck über das Vompertal hinweg, ganz rechts der Hundskopf mit 2243m.Links des Inntals die Mittelgebirge mit den Dörfern Tulfes, Sistrans, Rinn und Igls , entstanden nach dem Rückzug der Gletscher ,durch die sich dann die Schmelzbäche frasen.
Oberhalb der Mittelgebirge vorne der Patscherkofel mit 2246m.
Ein bisschen links hinter dem Patscherkofel die Serles mit 2717m (34km Entfernung) und dahinter wiederrum, leider durch Dunst und Quellwolken schwer zu erkennen der Habicht mit 3277m (45km). Dann rechts des Patscherkofels das Wipptal, welches zum Brenner hinaufgeht und bis nach Sterzing (Vipiteno, daher Wipptal) herunter. Auf der anderen Seite die Stubaitaler Alpen

Auf der anderen Seite in Richtung Nordosten versperrten die Ausläufer des Karwendelgebirges eine Sicht ins Alpenvorland, lediglich der Blick ins Stallental sowie an die schroffe, splitternde Felswand des Brentenkopfs (2024m) wurde erlaubt. Frost im Winter und starke Erwärmung im Sommer leisten hier ganze Arbeit.

Am Kellerjoch vorbei nach Süden zu den vergletscherten Zillertaler Alpen -

Frontalblick zum Gilfert im Vordergrund rechts und den Hintertuxer Alpen hinten - beeindruckend die Pyramidenform des vergletscherten Olperers (3476m).
Anhand der Gipfelhöhen ließen sich Wolkenuntergrenzen der Cumulus humilis und mediocris auf rund 3600 bis 3800m beziffern.

Der Olperer herangezoomt:

Rechts des Hilferts der verschneite Hirzer mit 2725m - ganz rechts erkennt man unterhalb eines Cumulus mediocris die pyramidale Bergstruktur der Serles sowie den Habicht dahinter. Infolge der Wolkenabschattungen nun besser zu erkennen.

Dann wanderten wir noch ein wenig Richtung Fiechter Spitze am Grat entlang, wo es links mäßig steil und rechts fast senkrecht nach unten ging

Für mich als früher stark von Schwindel befallenem kein leichter Anblick, aber langsam verliere ich die Höhenangst und kann mich da auch etwas näher an den Abgrund heranwagen.

Auch Schafe tun das - und die Viecher sind selten blöde, denn ein einziger Fehltritt auf der Schneewächte und eins oder mehrerer seiner Kumpanen rutscht unaufhaltsam den Hang hinunter und wird dabei verletzt oder getötet. Vielleicht war es ihnen aber auch einfach zu warm und sie soffen Gletscherwasser zur Abkühlung. Gras dürfte da wohl kaum zu finden gewesen sein.

Hat was.

Noch einmal am Abgrund

Und ein letzter , ungestörter Blick in Richtung Inntal und Kaiser. Übrigens wird aus der Talstruktur auch ersichtlich, warum der Taleinwind in Innsbruck bisweilen veritable Geschwindigkeiten am Flughafen erreicht (z.B. 60-70km/h mit Annäherung einer Kaltfront), zum einen wird infolge Druckanstiegs im Alpenvorland die kältere Luft durch die Kufsteinenge ins Inntal und weiter taleinwärts geschoben, zum anderen erhitzt sich das Inntal und die umliegenden Flächen stärker (mehr Luftvolumina) als das Alpenvorland ,sodass durch inneralpinen Druckfall ein Gradient entsteht. Strömt nun die Luft das Inntal einwärts, so muss sie aus Kontinuitätsgründen in der Talverengung (ab Jenbach etwa) schneller werden (A*v = const, A = Querschnitt, v = Geschwindigkeit) und daher bläst der Wind in Innsbruck zeitweise recht kräftig aus östlichen Richtungen.

Nun zu something completely different - Latschenkiefernfeldern.

Diese stellten die größte Herausforderung dar, die ich jemals auf einer Wanderung in den Bergen oder gleich wo zu bewältigen hatte.

Nun , bisher war die Wanderung anspruchsvoll für einen Flachländer, aber nicht schwierig, aber das änderte sich beim Abstieg. Zunächst ging es einen steilen Wiesenhang hinunter, wo man sich den Weg praktisch selbst aussuchen konnte. Denn es gab keinen. Nun merkte ich , dass a) ein nicht-Bergrucksack ständig am Rücken hin- und herrutschte und ich dadurch ununterbrochen aufpassen musste, nicht das Gleichgewicht zu verlieren, b) meine Wanderschuhe zu weich waren und zu wenig Grip besaßen - ich verlor mehr als einmal beinahe den Halt auf dem schmierigen , vertrocknetem Gras oder lockeren Geröll, c) die Spitzen meiner Wanderstöcke zu stumpf waren und der Halt daher nicht optimal,wenn man sie in die Erde rammen wollte.

Damit nicht genug - nach wenigen Höhenmetern endete die Wiese und uns stand ein riesiges Latschenfeld bevor :

Ich habe den besagten Bereich rot eingekreist - da mussten wir ca. 180 Höhenmeter nach unten, ehe wir wieder auf einen begehbaren Weg stießen.
Latschenkiefern haben positive und negative Eigenschaften - das Gute , wenn man ihre Wurzeln als Boden benutzt und ihre Äste als Absicherung , kann man relativ gefahrlos von Latsche zu Latsche schwingen, was einem nach einer Weile das Gefühl gibt, mit einem Ruderboot auf einem Ozean zu paddeln. Wie nahe wir Menschen den Affen sind, wurde mir während der Latschendurchquerung wieder bewusst. Nun gibt es aber auch etwas unangenehmes, nein, es ist nicht der penetrante Geruch, der vertreibt lediglich Muggen, Zecken und anderes Getier, was man nicht braucht, sondern dass die Latschenäste zwar schwingen, aber logischerweise auch zurückschwingen. Nicht nur einmal bekam man den Ast in die Fresse, wenn man gerade eine Wurzel verließ, um zum nächsten wackligen Standort zu kraxeln. Neben zahlreichen , leichten Schnittverletzungen an Armen und Beinen zerriss ich auch meine Zip-Hose (mein Fehler, zu leichter Stoff), zum Glück steckte der Geldbeutel im Rucksack, nicht in der Hosentasche. Jedenfalls , es war eine Tortur , es warm sehr warm, der Hangaufwind ging nicht, die Sonne brannte in das Feld hinein, dass einem der Kopf in den Füßen steckte. Und es bereitet wahrlich keine Freude, mit einem Krampf im Zeh auf einem etwa fünf Zentimeter starken Ast zu stehen, der zudem wild hin- und herschlenkert und einem am Liebsten wieder herunterwerfen will. Vom Asten zu steigen war auch keine gute Idee gewesen, denn unter der Wurzel befanden sich gut 30cm Luft, ehe der steile, steinige Boden kam. Ein Fehltritt und man hätte sich diverse Bänder reißen können.

Kurzum - ich war unendlich glücklich, aber auch total ausgepowert, als wir dieses Latschenfeld endlich hinter uns ließen und wieder auf dem Boden der Tatsachen zurückgekehrt waren.

Entschädigt nach gut 2h im Latschenfeld wurden wir durch die ersten Überentwicklungen südlich des Inntals - dort wurde das Kondensationsniveau infolge der stärkeren Schnee- und Gletscherbedeckung früher erreicht als in den Kalkalpen nördlich. Das dürfte eine Ursache sein, warum es nördlich des Inntals erst relativ spät zu Quellwolken kam.

Rechts des Gilferts ein erster Cumulonimbus - capillatus könnte man sagen, er taugte nicht viel, sondern zerfaserte stark, was auf zu große Trockenheit ab einem bestimmten Niveau hindeutete.

Ein Cumulonimbus capillatus incus Richtung Zillertal bzw. evtl. schon Italien war da schon ansehnlicher

darum möchte ich euch das letzte Bild nicht vorenthalten

- ein insgesamt versöhnlicher Abschluss einer Bergtour der Extreme .

Trotz der Latschenkiefertortur hat es mir sehr viel Spaß gemacht. Die Aussicht hat vieles entschädigt und zudem weiß ich nun,wo meine Grenzen liegen.

Daher, wenn ihr 2500 Höhenmeter steigen und fallen (nicht stürzen!) wollt, startets früh und nicht wenn 32°C Höchsttemperatur auf 600m angekündigt werden und überdies die Ozonbelastung extrem ist.

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